Was ist ADHS?
(Quelle: Bildungszentrum für Hyperkinetik)
ADHS steht für Aufmerksamkeits-Defizit-/Hyperaktivitäts-Störung. Es ist eine Störung, die sowohl bei Kindern als auch Jugendlichen auftreten kann. Bei bis zu 70% der Betroffenen können die Symptome auch bis ins Erwachsenenalter hinein bestehen.
Typisch für ADHS sind drei Merkmale (Leitsymptome):
• Aufmerksamkeitsdefizit
• Hyperaktivität
• Impulsivität
Die Symptome können sowohl kombiniert als auch einzeln auftreten. Sie werden zum Teil bereits im Kleinkindalter erkennbar (meist noch vor dem fünften Lebensjahr) und wirken sich in anderen Lebensbereichen später mehr oder weniger aus.
Generell gilt, nicht jedes Kind mit den oben beschriebenen Anzeichen leidet unter ADHS. Ob tatsächlich eine Erkrankung vorliegt, kann nur ein Kinderarzt oder Kinder- und Jugendpsychiater klären. Allgemein müssen die Anzeichen über einen längeren Zeitraum, mindestens ein halbes Jahr, in verschiedenen Lebensbereichen (privates Umfeld, schulisches und familiäres Umfeld) auftreten.
Weitere Anzeichen können fehlende Impulskontrolle, Unaufmerksamkeit und Unruhe sein.
Es existiert eine Fülle an alternativen Bezeichnungen für dieses Störungsbild, die allerdings weitgehend übereinstimmende Krankheitsbilder beschreiben. So bedeutet HKS Hyperkinetische Störung, MCD minimale cerebrale Dysfunktion und POS psycho-organisches Syndrom. Diese Abkürzungen werden heute allerdings nicht mehr verwendet. Desto mehr hört man von ADHD und ADD, was lediglich die englischsprachigen Abkürzungen sind. ADHD steht für Attention Deficit Hyperactivity Disorder, ADD für Attention Deficit Disorder.
ADHS ist entgegen verschiedener Hypothesen höchstwahrscheinlich keine Erkrankung unserer modernen Zeit, bereits 1845 beschrieb Nervenarzt Heinrich Hoffmann das Phänomen in Gestalt des Zappelphilipp in seinem Kinderbuch „Struwwelpeter“. Auch den genauen Kontrast, die „Träumer-Variante“ von ADHS beschrieb er mit der Figur „Hans-Guck-In-Die-Luft“.
Ursachen
(Quelle: Wikipedia)

In einer 1990 von Zametkin und Mitarbeitern durchgeführten Studie wurde der Glucose-Stoffwechsel des Gehirns bei erwachsenen ADHS-Patienten und gesunden Kontrollpersonen verglichen. Die PET-Aufnahme zeigt links den zerebralen Glukoseverbrauch einer Person ohne ADS und rechts einer Person mit ADS bei einer bestimmten Aufgabenstellung. Die Studie war die erste große funktionell-bildgebende Untersuchung zur ADHS und bildete die Grundlage für viele weitere Studien. Die spezifischen Befunde konnten in nachfolgenden Studien allerdings nur teilweise reproduziert werden.[6]
Nach derzeitigem Forschungsstand (Sommer 2008) ist von einer multifaktoriellen Verursachung von ADHS auszugehen, also dem Zusammenwirken biologischer, psychischer und sozialer Faktoren. Bei ca. 50 % der darauf untersuchten ADHS-Betroffenen besteht eine genetisch bedingte Anormalität der neuronalen Signalverarbeitung im Gehirn.
Davon sind insbesondere neuronale Regelkreise betroffen, die für die Regulation bzw. das Zusammenwirken von Motivation, Kognition, Emotion und dem Bewegungsverhalten verantwortlich sind. Da das Frontalhirn und das sogenannte Striatum (ein Teil derBasalganglien) in diesen Regelkreisen eine bedeutende Rolle spielen, spricht man auch von einer striatofrontalen Dysfunktion. Diese ist zu einem Teil vererbt, eventuell aber auch pränatal, also während der Schwangerschaft erworben. Geschwister haben 3 bis 5 mal so häufig ADHS wie Nicht-Geschwister; die biologischen Eltern von ADHS-Erkrankten sind in etwa 18 Prozent der Fälle ebenfalls betroffen.
Schwangerschafts- und Geburtskomplikationen, ein erniedrigtes Geburtsgewicht, Infektionen, und Schadstoffe sowie Erkrankungen oder Verletzungen des Zentralen Nervensystems gelten als Risikofaktoren. Während der Schwangerschaft stattfindende Belastungen mit Alkohol sowie Nikotin gelten als weitere wichtige Risikofaktoren. [7]
Persönlichkeitsbefragungen von ADHS-Patienten an den „Official Medical Centers“ der großen amerikanischen Universitäten ergaben, dass die Entwicklung des Krankheitsbildes bei den Befragten fast ausnahmslos davon abhing
- in welchem Alter die Erkrankung diagnostiziert wurde
- wie das Umfeld im familiären bzw. privaten Bereich, in der Schule und am Ausbildungsplatz bis zum Zeitpunkt der Diagnose reagierte.
Diese Bedingungen werden für den Verlauf der Erkrankung bis zum Zeitpunkt der Aufnahme medizinischer Maßnahmen in der ADHS-Forschung heute als sehr wesentlich eingeschätzt. Die rein medizinische Betrachtung reicht allerdings nicht aus. Das neurobiologische Erklärungsmodell muss durch psychologische Konzepte ergänzt werden. Auch ist nicht klar, ob die neurobiologischen Besonderheiten von aufmerksamkeitsgestörten Personen die Ursache ihrer Verhaltensauffälligkeiten bildet, oder ob diese nicht die Folge ungünstiger Nutzungsbedingungen, welche das Kind antrifft, darstellen. So gibt es nach R. Tannock heute keine unstrittigen biologischen Kennwerte, durch die es möglich ist, aufmerksamkeitsgestörte von unauffälligen Kindern verlässlich zu unterscheiden.[2]
Im Laufe der Lebensentwicklung der ADHS-Betroffenen führt die Symptomatik oft zu verschiedenen psychosozialen Folgeerscheinungen, die wiederum Rückwirkungen auf den Störungsverlauf haben und die Entstehung von Folgeerkrankungen erheblich beeinflussen. Durch die neurobiologisch bedingte Störung der Selbstregulation und Impulskontrolle kommt es beispielsweise immer wieder zu Konflikten mit Eltern, Gleichaltrigen und Lehrern, was durch ungünstige Bedingungen in Familie und Schule noch verstärkt werden kann.
Da die Verhaltensschwierigkeiten keineswegs durchgängig in allen Situationen beobachtet werden können, werden von G. Lauth einige wichtige ergänzende psychologische Faktoren genannt, welche bei Aufmerksamkeitsstörungen vorgefunden werden können. Ein wichtiger Bestandteil der Krankheit ist die mangelnde Fähigkeit, einen angemessenen Belohnungs- und Bedürfnisaufschub zu akzeptieren. Den Betroffenen fehlt die Möglichkeit, sich in bestimmten, angemessenen Situationen selbst zu motivieren, vor allem dann, wenn eine längere Aufmerksamkeitsleistung erforderlich ist. Des Weiteren gilt aus psychologischer Sicht, dass es keine generelle Schwäche der Verhaltensregulation bei ADHS-Betroffenen gibt. Die mangelnde Verhaltensregulation tritt lediglich in ganz bestimmten Situationen auf, die bestimmte Bedingungen verlangen.[2]
Bei besonderem aversiven, kontrollierenden und verhärtetem Erziehungsverhalten besteht ein erhöhtes Risiko, dass sich die Verhaltensprobleme des Kindes ausweiten und auch außerhalb der Familie auftreten.[2] Dadurch wird oft eine Verstärkung der Symptomatik bewirkt sowie die Entstehung komorbider Symptome begünstigt (wie Leistungsdefizite, aggressives Verhalten und emotionale Störungen). Oft entsteht ein regelrechter Teufelskreis. Moderne Therapieansätze von ADHS streben daher neben der medizinischen und psychologischen Behandlung auch eine positive Gestaltung des Umfelds der Betroffenen an, da dieses für den Krankheitsverlauf mitverantwortlich ist. Bislang sind jedoch keine Faktoren bekannt, die eindeutig belegen, welche Bedingungen eine primäre Rolle für die Entstehung einer Aufmerksamkeitsdefizitstörung spielen.
Striatofrontale Dysfunktion / Dopamin und Methylphenidat
Auch Prof. Klaus-Henning Krause (Friedrich-Baur-Institut an der Ludwig-Maximilian-Universität in München) wies nach, dass im dopaminergen System von ADS-Patienten in den präsynaptischen Membramen zu viele Transporterproteine für Dopamin vorhanden sind, mit der Folge, dass zuviel Dopamin aus dem synaptischen Spalt (s. auch Synapse) in die präsynaptische Nervenzelle zurücktransportiert wird. Dieses Verhältnis normalisiert sich durch Behandlung mit Dopamin-Wiederaufnahmehemmern wie Methylphenidat, sofern der Betroffene kein Non-Responder ist.